Autark unterwegs mit dem Mini-Camper

Autark sein, heißt ohne Abhängigkeiten unterwegs sein. Von keiner Wasser- oder Stromleitung, von keinem WC abhängig sein. Gerade im Hochdachkombi-Camper mit seinen beengten Verhältnissen ist das nicht ganz einfach. Aber gerade wenn man viel auf Wohnmobilstellplätzen unterwegs sein will, ist ein gewisser Grad an Autarkie Voraussetzung, denn die meisten reinen Stellplätze haben zwar eine Ver- und Entsorgungsstation, aber keine sanitären Einrichtungen vor Ort. Wir zeigen euch, was ihr für euer autarkes Mini-Wohnmobil braucht.

Autark unterwegs mit dem Mini-Camper

1. Küche

Das Kochen mit Gas ist die einfachste Lösung beim Camping. Das Angebot reicht vom einfachen, ganz leichten Gaskocher mit einer Flamme über Gaskartuschenkocher bis hin zum extravanganten doppelflammigen Design-Gaskocher. Herausnehmbare, nicht fest installierte Gaskocher brauchen keine TÜV-Abnahme und können auch bequem auf dem Campingtisch vor der Wohnmobil genutzt werden.

Grillen oder mit offenem Feuer kochen (z.B. mit einem Hobo-Kocher) ist in Mitteleuropa oftmals schwierig, denn auf vielen Camping- und Stellplätzen ist offenes Feuer aus Gründen der (Wald-)Brandgefahr verboten.

Auch eine Lösung für den mobilen Backofen gibt es: Mit dem Omnia Backofen kann man auch unterwegs ohne Stromverbrauch Brötchen aufbacken oder einen Kuchen backen.

2. Wasserversorgung

Die Wasserversorgung lässt sich im Minicamper einfach darstellen: Mit einem Kanister hat man Frischwasser immer dabei – zum Hände waschen, sich einen Tee kochen, eine warme Mahlzeit zuzubereiten oder zum Abspülen. Das Spülwasser sollte natürlich nicht wieder zurück in die Natur gelangen, deshalb braucht man einen zweiten Kanister für das Abwasser. Wer das ganze etwas komfortabler haben will, kann die zwei Kanister auch über eine 12V-Pumpe und ein Spülbecken laufen lassen, wie z.B. im Wassermodul von micro-camper.de. Sets aus Wasserkanistern, Pumpe und Spülbecken gibt es z.B. bei Amazon. Wer hier von Strom unabhängig sein will, nutzt eine Handpumpe (genannt Pantrypumpe) aus dem Schiffsbau.

Weitere Unabhängigkeit bringen Wasserfilter mit denen man auch Wasser aus Quellen, Bächen und Flüssen filtern und von Protozonen und Bakterien befreien kann. Sonst hilft nur ein aufwändiges Abkochen des Wassers.

3. Dusche

Zum Duschen bieten sich Outdoor-Duschen an, die tagsüber in der Sonne das Wasser erhitzen, damit man sich abends abduschen kann. Sonst kann man natürlich auch zum Abfrischen in einen See springen oder die lokale „Badeanstalt“ aufsuchen. Ohne Wasserinhalt kann der Duschbeutel klein und platzsparend verpackt werden.

4. WC

Auch für das dringende Problem mit dem Stillen Örtchen gibt es eine Lösung: Portable Chemie-Klos wie den „Porta Potti“. Hier hat man einen Behälter mit Frischwasser und einen Behälter für die „Fäkalien“ in kompakter Form kombiniert. Wenn man den kleinen Deckel aufklappt, ergibt sich ein reguläres -wenn auch etwas kleines- Klo. Hat man sein Geschäft verrichtet, pumpt man etwas Frischwasser durch und verschließt dann das WC wieder mit einem Hebel. So bleiben die Gerüche im Klo und nicht im ganzen Wohnmobil. Um die Gerüche zu reduzieren, benötigt man etwas chemische Lösung, die man vorab in den unteren Sammelbehälter kippt. Alternativ gibt es statt eines chemischen mittels auch Sanitärflüssigkeit auf natürlicher Basis: Die mikrobiologische Sanitärflüssigkeit zersetzt Fäkalien und Toilettenpapier durch Enzyme und Mikroorganismen und verhindert so ein Verstopfen beim Ausgießen Entleert wird der Sammelbehälter beim nächsten Wohnmobilstell- oder Campingplatz in die bereitgestellte Ver- und Entsorgung.

Als Alternative gibt es auch noch sogenannte Kompost- und Trockentoiletten. Hier wird beim WC-Gang direkt in flüssige und feste Bestandteile getrennt. Der Urin wird in einem kleinen Behälter gesammelt und entsorgt, während die festen Bestandteile mit Rindenmulch, Torf oder ähnlichem vermischt zu, Kompostieren gegeben werden. Aufgrund der benötigten Belüftung aber wohl eher für größere Wohnmobile geeignet.

Damit das WC nicht immer im Weg herumsteht, wird es zumeist in eine Box verbaut, die man mit einem Deckel und Sitzpolster versehen auch wieder als Sitzgelegenheit nutzen kann. 

Sonst bieten sich natürlich öffentliche WCs an Badestränden, in touristisch erschlossenen Orten oder in Restaurants (wenn man dort auch etwas zu sich nimmt) an. Oder für den Notfall auch ein Eimer mit Deckel.

5. Stromversorgung

Auch unterwegs braucht man Strom: Ob für das Smartphone, Tablet oder Laptop, die Kühlbox, Kochplatte und Minibackofen -wenn man kein Gas nutzt -, für etwa Fernsehen oder einfach nur für Licht am Abend.

Große Wohnmobile haben hierfür einen zweite Batterie eingebaut, die unterwegs von der Lichtmaschine des Fahrzeugs geladen werden. Die gleiche Möglichkeit gibt es auch natürlich im Hochdachkombi-Camper. Jedoch ist hier natürlich der Platz begrenzt. Eine gute Alternative bieten hier unabhängige, herausnehmbare Akkus wie z.B. von GoalZero. Die können während der Fahrt über die Autobatterie geladen werden, am Platz über den Landstrom, aber auch über ein zusätzliches, klein zusammenfaltbares Solarmodul. Neben einem 12v-Ausgang gibt es hier gleich einen oder mehrere USB-Anschlüsse und teils sogar reguläre 230V-Steckdosen.

Je nach Anwendungszweck benötigt man mehr (Elektro-Kühlbox, Stromheizung, Laptop,…) oder weniger Strom (passive Kühlbox, warmer Schlafsack, Smartphone). Die Akkuleistung muss dementsprechend ausgelegt werden. Man sollte sich also vorher überlegen, was man wirklich unterwegs braucht und wieviel Strom die jeweiligen Geräte ziehen. Je weniger die Geräte verbrauchen, desto weniger Akkuleistung wird benötigt und desto günstiger kommt die Lösung.

Wer mit Gas kocht, eine passive Kühlbox nutzt und nur das Smartphone, Tablet oder MacBook zwischendrin laden will, kommt auch mit einer größeren Powerbank über die Runden. Diese lädt man denn entwederzuhause oder am Campingplatz der auch über ein kleines Solarpanel.

6. Kühlbox

Kühlboxen gibt es als passive Kühlboxen, die man entweder mit Kühlakkus oder Eis füllt und somit einen oder mehrere Tage ohne Strom überbrücken kann – oder als Kompressor-Kühlbox, die mit Strom (12V oder 230V) läuft.

Passive Kühlboxen: Von qool-products.com gibt es z.B. (leider nicht ganz günstige) passive Kühlboxen, die auch mehrere Tage ihren Temperaturbereich halten können. Zuhause und unterwegs am Campingplatz werden die Kühlakkus tiefgekühlt und halten dann im Anschluss wieder mehrere Tage die Temperatur. Die meisten Campingplätze bieten entweder Kühlschränke für Ihre Besucher oder kühlen die Kühlakkus auf Nachfrage.

Aktive, strombetriebe Kühlboxen: Kompressor-Kühlboxen können wie ein normaler Kühlschrank die Lebensmittel per Stromzufuhr kühlen. Für das begrenzte Platzangebot im Hochdachkombi bietet z.B. Dometic passende Geräte an. Teilweise gibt es auch gasbetriebene Kühlboxen, die mit Gaskartuschen betrieben werden können.

7. Wärme/Heizung

Wer Angst hat, dass er im Mini-Camper in kalten Nächten friert, benötigt entweder einen schön warmen Schlafsack, einen Haufen Decken oder eine Standheizung. Diese nutzen den Dieseltank des Fahrzeugs mit und heizen den Innenraum auf wohlige Temperaturen auf. Hersteller sind z.B. Planar, Webasto, Truma oder Eberspächer. Standheizungen gibt es ab rund 500€ zzgl. Einbau. So wird der Hochdach-Camper auch Herbst- und Wintertauglich. Alternativ gibt es auch Gasheizungen (z.B. von Truma), diese müssen bei Festeinbau allerdings spätestens alle zwei Jahre vom TÜV überprüft werden.

Wie behelft Ihr euch?

Was nutzt Ihr unterwegs, um autark unterwegs zu sein? Habt Ihr einen Tipp für uns? Wir freuen uns über eure Anregungen in den Kommentaren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.